Lieber Rudolf,
ich hab mich in den letzten Wochen mit ganz unterschiedlichen Gefühlen zu Wort gemeldet. Ich hab mich geniert für Dinge aus meinem Privatleben. Ich war geknickt, weil ich Fehler eingestehen habe müssen vor vielen Menschen, und enttäuscht, weil ehemalige Freund:innen private Konversationen an Medien schicken. Aber langsam bin ich an einem Punkt, wo eine andere Emotion vorherrscht: Ich bin wütend. Gestern ist die nächste wilde Geschichte in den Medien aufgetaucht. Dazu hab ich auch schon Stellung bezogen:
Ja, ich habe verletzliche Momente gehabt auf meinem Weg zur Spitzenkandidatin. Ich habe enormen Respekt vor dieser Aufgabe und habe das nicht auf die leichte Schulter genommen.
Ja, ich war sehr kritisch mit den Grünen. Weil ich mir von ihnen am meisten erwarte. Und ja, ich komme aus einem Umfeld, das den Grünen nicht wohlgesonnen ist.
Aber ich habe mich aus gutem Grund für die Grünen entschieden. Weil es die einzige Partei ist, die die Rettung unseres Planeten ernst nimmt. Und wenn man politisch was für den Klimaschutz erreichen will, dann gibt es nur eine Adresse: Die Grünen!
Auch das schreibe ich übrigens in der Unterhaltung mit Veronika Bohrn-Mena, aus der einzelne Nachrichten Medien zugespielt wurden. Ich schreibe dort auch, dass ich mich nicht in der KPÖ sehe. Dass ich mit Grünen-EU-Abgeordneten aus Deutschland gesprochen habe und mich auf die Ernsthaftigkeit dieser Arbeit freue. Und ich schreibe dort: Dass ich lerne, mich als Grüne zu fühlen.
Und ich sag euch eines: Ich hab das gelernt. Ich bin eine Grüne geworden. Und das mit Stolz. Weil ich mich mit den Grünen für das Klima und gegen rechte Hetze einsetze. Mit euch.
Mit einem Tom Waitz, der stabil für Klimaschutz in Europa kämpft. Mit einer Klimaschutzministerin, die den Lobautunnel abgesagt hat. Mit einer Justizministerin, die den Rechtsstaat schützt. Mit einem Sozialminister, der den Sozialstaat ausbaut. Mit einer Klubobfrau und einem Vizekanzler, die in den letzten vier Jahren jede Krise gemanagt haben. Und mit allen Menschen, die sich in diesem dreckigen Wahlkampf auf die Straße stellen und fürs Klima und saubere Luft rennen, rennen, rennen.
Und jetzt müsst ihr in der Zeitung lesen, ich würde zur Linksfraktion überlaufen? Was für ein Bullshit. Ich wollte am Anfang kein Mitglied werden, weil ich als Aktivistin meine Stimme einbringen wollte. Ohne Parteibuch.
Aber wisst ihr was? Ich habe mich politisch noch nie mehr angekommen gefühlt als bei euch. Ich will dabei sein. Und zwar nicht nur als Kandidatin, sondern als Mitglied.
Deshalb hab ich heute meinen Antrag auf Mitgliedschaft abgeschickt.
Weil ich ein ganz, ganz klares Zeichen setzen will, dass wir das gemeinsam machen. Gemeinsam fürs Klima und gegen rechte Hetze. Gemeinsam für Europa.
Alles Liebe,
deine Lena Schilling