Der Autor liest:
A schöns Gedicht fallt mir grad ein;
sag, was mag wohl sein Titel sein?
Die Zahlen eins, zwei, drei und vier
schreib ich dir hier auf ein Papier.
Fünf und sechs und auch die Sieben –
Schau genau, die sind dort drüben,
wo a alte Frau kocht Rüben.
Warum? – Na, um des Reimes Willen.
Sonst tut die hier ka Rolle spielen.
Neun und zehn sowie die Elf;
ein Dutzend heißts, wenn es sind zwölf.
Und der Begriff, der ganz abstrakte,
der in dem steckt, was ich grad sagte
in Reimen wie aus Goethes Feder?
Ja, darauf kommt halt nicht ein jeder!
Du natürlich schon, denn du bist wirklich gscheit!
Na klar, worum s hier geht, das ist Achtlosigkeit!
Mit diesem Gedicht wage ich mich auf das Gebiet der Zahlenmystik und würdige zunächst die natürlichen Zahlen eins bis vier: Damit gelangen wir von der Einzigkeit Gottes über das Gegensatzpaar Gut und Böse und die Dreifaltigkeit zum Tetragramm – JaHWeH. Fünf hingegen sind die1 Wundmale Christi und sechs sind die Teufelsaustreibungen, die er in Kafarnaum vorgenommen hat. Sieben sind die Körperöffnungen und Todsünden, und nur sieben Worte sprach Jesus am Kreuze, denn in der neunten Stunde starb er leider schon.
Der Zehn kommt als Basis des Stellenwerts besondere Bedeutung zu; zehn sind denn auch die ägyptischen Plagen, die Gebote, die laut Lukasevangelium geheilten Aussätzigen und die Apostolischen Väter. Nach der schon ziemlich perfekten Zehn ist Elf einfach eins zu viel und gleichzeitig eins zu wenig fürs Dutzend. Elf gilt daher als Narrenzahl. Elf ist aber auch die Zahl jener Heiligen, die nach ihrer Enthauptung noch ein bisserl mit dem Kopf unterm Arm umhergegangen sind. Mit der Zwölf ist endlich das Dutzend voll. Zwölf sind die Stämme Israels, die Jünger Jesu und die Sterne auf der Europa-Fahne. Aber es fehlt natürlich die absolut nicht unwichtige Acht: Acht Leute überlebten an Bord der Arche Noah die Sintflut, und am achten Tage seines Lebens wurde Jesus sein Name gegeben. Der Makel, der einem Dutzend anhaftet, wie es in meinem Gedicht beschrieben wird, ist natürlich der der Achtlosigkeit.
- „Der“ würd‘ ich hier ja lieber schreiben, nach dem Muster von „aller guten Dinge sind drei“; aber dann klingt’s vielleicht „gschrauft“, weil viele Leute mit dem Genitiv nichts mehr anfangen können. Daher habe ich also in diesem Text zum Beispiel „die“ ägyptischen Plagen zehn und „die“ Apostel zwölf sein lassen und auch in anderen ähnlich gelagerten Fällen vom Einsatz des Genitivs abgesehen. ↩︎
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