Pfarrer bei d Katharer

Der Autor liest:

A Pfarrer war er bei d Katharer,
und noch dazu ein wunderbarer,
doch ein Beruf is das, ein schwarer
und außerdem ein undankbarer,
weil dauernd kommen die Kreuzfahrer,
gewaltbereite Glaubenswahrer
und die Zum-Scheiterhaufen-Zahrer!

Die Luft is schon a ganz a dicke,
na klar, vom Rauch … und von Müsique,
weil Sœur Sourire singt Dominique!

Und le bon Dieu, der is kein Guter,
wenn gegen die Musik nix tut er!


Die oben wiedergegebenen Reime nehmen sich der südfranzösischen Katharer oder Albigenser an, die im Hohen Mittelalter mit ihrer aufreizenden asketischen Anständigkeit, die ein wenig nach urchristlichem Kommunismus roch, den Kirchenbonzen so sehr auf die Nerven gingen, dass der heilige Dominikus sich genötigt sah, einen auf Ketzerbekämpfung spezialisierten Orden zu gründen, der nach ihm benannt ist. Der Papst (Innozenz [sic! und LOL] III.) wollte sich nicht auf die „Domini Canes“ verlassen – die „Hunde des Herrn“, wie sie sich selbst gerne nannten – und initiierte (1209) einen regelrechten Albigenserkreuzzug mit allem drum und dran.

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. So zum Beispiel auch in Béziers, wo die Kreuzfahrer nicht wussten, wie die Katholiken von den Katharern zu unterscheiden wären, und der päpstliche Gesandte Arnaud Amaury das Problem mit folgenden Worten gelöst haben soll: „Tötet sie, Gott kennt die Seinen!“ In einem Schreiben an den Papst prahlte Amaury später damit, dass in Béziers 20.000 Menschen umgebracht worden seien. Der „Pfarrer“1, der in der ersten Zeile meines  Gedichts genannt wird, ist nur einer von vielen, die als Katharer der reinigenden Kraft des Feuers überantwortet wurden. Wenn die geschätzten Lesenden (aller nur denkbaren Geschlechter) es wünschen, können sie ihn aber Belibasta nennen. Belibasta wurde 1321 als letzter Perfectus einer südfranzösichen Katharergemeinde verbrannt.

Die Ruhmesblätter, auf denen die genannten Ereignisse verzeichnet sind, waren in den frühen Sechzigern des 20. Jahrhunderts natürlich längst in Vergessenheit geraten. Sœur Sourire,2 die singende Nonne aus Belgien, entschloss sich daher, die Menschen in einem Liedchen an die Taten des heiligen Dominikus zu erinnern, welches zu einem veritablen Hit wurde, ihr selbst jedoch kein Glück brachte; aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.


  1. Tatsächlich wurden die Gemeindevorsteher der Katharer „Perfecti“ genannt. ↩︎
  2. Jeannine Deckers (1933-85), eine belgische Dominikanerin und Chansonsängerin. ↩︎

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