
In Österreich wurde das Bestellen dreier Biere von einem Ibiza-affinen späteren Expolitiker1 zur Manifestation pantomimisch darstellender Kunst erhoben. Und da wahre Kunst nie unpolitisch ist, und der gemeinsam mit Zeige- und Stinkefinger weggestreckte Daumen alles mögliche bedeuten könnte, zum Beispiel „Drei stille Wasser!“ oder „Drei Soda Himbeer!“, bedarf es eben klärender Worte:
„Tres pivos, bewakaschá!“
„Tres“ ist das – von Ortsnamen wie „Tres Piedras“ oder „Tres Zapotes“ her bekannte – spanische Zahlwort „drei“. Das Spanische habe ich gewählt, weil der Ort der Handlung vermutlich Ibiza oder Malle ist.
„Pivo“! — Es ist halb sechs nach dem Krieg.2 Im Wirtshaus „Zum Kelch“ stellt die dralle Kellnerin drei große Gläser des prickelnden Goldes auf den Tisch, das die letzten Sonnenstrahlen zum Leuchten bringen, als wäre es der Schatz der Sierra Madre. „Pivo“! — In welcher anderen Sprache enthält das Bierwort so viel Poesie wie im Tschechischen? Ich habe es in meiner polyglotten Bestellung mit dem spanischen Plural-„s“ versehen, da es ja – zumindest für den Anfang – darum geht, drei Gläser Bier zu bestellen. Für die mehrfach zu erwartende Wiederholung der Bestellung dürfte dann wohl das Dreifingersignal reichen.
„Bewakaschá“ stellt einfach nur ein höfliches „Bitte“ in hebräischer Sprache (und lateinischer Umschrift) dar. Sein Gebrauch signalisiert, dass dem Besteller nichts ferner liegt als Antisemitismus, und dass er – im Gegenteil – für die Art und Weise, in welcher der israelische Staat mit den Arabern umspringt, Respekt und Bewunderung empfindet.
Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, kann und soll der Wortlaut der Bestellung variiert werden:
„Schalósch cervezot, prosím!“
Hier verbindet sich das hebräische Wort für „drei“ mit der spanischen Cerveza, welche aber die Endung „-ot“ erhält, an der man den hebräischen weiblichen Plural erkennt. Den Abschluss bildet ein tschechisches „Bitte“.
„Tři birot, por favor!“
In dieser originellen Form der Bestellung wird auf Spanisch um eine hebräische Mehrzahl an Bieren gebeten. Das am Beginn stehende tschechische Wörtchen für „drei“ konkretisiert die Bestellung. Es enthält den entzückenden „ř“-Laut, den Deutschsprachige eventuell mit einem unbeholfenen „rsch“ imitieren, das der Anmut des tschechischen Originals in keiner Weise gerecht wird. Österreichische Träger tschechischer Namen wie Kovař und Tesař verzichten deshalb meist auf das kleine Sonderzeichen über dem „r“.
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