Der Autor liest:
Pepi Kutil!
„Wer ist Pepi Kutil?“
„Pepi Kutil war unser Steuermann,
weil keiner von uns besser steuern kann.
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
beim Wirten nachher sechs Krügerln sein Lohn.
Pepi Kutil.“
Bei unsrer Anfahrt noch da und dort Schnee,
vom Schmelzwasser gschwollen der Fluss, wie ich seh,
doch die Herzen sind froh und die Herzen sind frei,
und noch denk ma uns nix Besondres dabei.
Schon sieht man bei Högmoos das mächtige Wehr,
ein Stückerl nur unterhalb richten wir her
das bloß aus Schläuchen bestehende Boot.
Bald ist es aufgepumpt, liegt prall und rot
am Ufer und ladet uns ein zu der Fahrt.
Ins Wasser damit, springt hinein und dann Start!
Acht Arme, vier Stechpaddel treiben nun an
das Boot, das nur so auch gesteuert wern kann.
Die Felsen, sie gleiten in Eile vorbei
als gäben sie gerne den Weg für uns frei,
doch verdankt sich s dem Steuermann nur ganz allein,
dass das Boot sich nicht wickelt um irgendan Stein!
Jetzt fahren wir ein in die finstere Schlucht,
hier lehrt uns der Fluss erst das Wort Wasserwucht!
Und vor dem „Hufeisen“ dreht s unser Boot,
wir stehn mit dem Heck voran, Schockschwerenot!
Auch sonst ist das schon eine schwierige Stell,
nur mit viel Fahrt kommt man durch, das heißt: schnell!
Auf Pepis Kommandos – du ziag und du druck! –
drehn wir unser Boot grad noch rechtzeitig zruck
und treiben es an nun mit all unsrer Kraft,
hinab in das „Hufeisen“ – gleich hamma s gschafft!
Von hinten, von links und von rechts tost die Flut,
und zuzelt an unserem Boot voller Wut,
aufgebracht von unsrem Ausbruchsversuch,
und genau das ist des „Hufeisens“ Fluch!
Der Steuermann ruft: „Zahts jétz au(n), lôssts ned nôch,
waunns ned glei ôwezaht wern wojjts ins Loch!“
Wir entkommen dann schließlich dem saugenden Schlund,
unsre Herzen sind froh, nur die Fäuste sind wund.
Kinderkram ist nun der Rest im Vergleich,
als schwämm unser Boot einfach nur auf an Teich.
Im Klubhause tragen ins Logbuch wir ein
(in zierlicher Schrift – soviel Mühe muss sein!):
„Pepi Kutil war unser Steuermann,
weil keiner von uns besser steuern kann.
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
beim Wirten nachher sechs Krügerln sein Lohn.
Pepi Kutil.“
Sie werden vielleicht erkannt haben, welches Werk meiner „Verdichtung“ zugrunde liegt. Es handelt sich um Theodor Fontanes „John Maynard“. Die Begebenheit, auf die der Dichter in dieser Ballade anspielt, hat sich in Wirklichkeit allerdings etwas anders zugetragen, sodass ich meinte, es mit den Details der Handlung auch nicht so genau nehmen zu müssen. Ich habe also John Maynard durch meinen alten Freund Pepi Kutil ersetzt, der als Eisenbahner eigentlich prädestiniert gewesen wäre, den legendären Casey Jones1 zu verkörpern. Da er aber nicht im Fahrdienst, sondern in der Datenverarbeitung tätig und überdies begeisterter Wildwassersportler war, habe ich ihn zum Steuermann eines Schlauchboots gemacht, in welchem er – gemeinsam mit drei anderen – die berüchtigten Salzachöfen befährt.
- John Luther Jones, genannt “Casey Jones” (1864-1900), ein US-amerikanischer Lokomotivführer, der mit seinem heldenhaften Handeln einen schweren Unfall mit vielen Toten verhindern konnte, selber dabei aber ums Leben kam. ↩︎
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