Der Autor liest:
„Kein schöner Land in dieser Zeit“?
„Kein schöner Land in dieser Zeit“?
Héast, i vaschtehs net, tuat ma leid.
Hör mal, das versteh‘ ich nicht, tut mir leid.
Der Text beim Si-hin-gen
Beim Singen
tuat komisch kli-hin-gen,
klingt dieser Text seltsam.
haßts „DER Land“ heit?
Heißt es denn „DER Land“ heute?
Der Text beim Si-hin-gen
Beim Singen
tuat komisch kli-hin-gen
klingt dieser Text seltsam
und is net gscheit.
und ist nicht gescheit.
Es miassat „schönes“ haßen und
Es müsste „schönes“ heißen und
a fia „schöneres“ gab s an Grund.
auch für „schöneres gäb‘ es einen Grund.
:,: Dô kaumma fi-hin-den
Hier kann man finden
(net unta d Li-hin-den!)
(nicht unter Linden!)
begrôm den Hund. :,:
begraben den Hund.
Guat, i erklär da s noch einmal:
Gut, ich erklär‘ dir’s noch einmal:
Es haßt „DAS Land“ in jedn Fall!
ES heißt „das Land“ in jedem Fall!
:,: I kaunn s net ä-hän-dan,
Ich kann’s nicht ändern,
muasst richtig tschä-hän-dan,
du musst richtig gendern,
s is net egal! :,:
es ist nicht egal!
Dieser neue Text zu einem alten Lied1 ist autobiografisch geprägt, denn jedes Mal, wenn in der Volksschule das Absingen von „Kein schöner Land“ angesagt war, stellte sich mir die Frage, wie die Erwachsenen, die für die Produktion des langweiligen Liederbuchs verantwortlich gewesen waren, den groben Grammatikfehler hatten übersehen können, der einem schon aus dem Titel des Liedes entgegengrinste. Da mir die ganze Angelegenheit aber nicht wichtig genug war, wandte ich mich mit meinen diesbezüglichen Beobachtungen und Vermutungen gar nicht erst an die Lehrerin, sondern hoffte bloß auf ein baldiges Ende der Singstunde. Es sollte daher noch eine ganze Weile dauern, bis mir klar wurde, dass es sich um ein Adjektiv (im Komparativ) handelte, dem das Suffix amputiert worden war, welches Zahl und Geschlecht anzeigt. Klar, in antiquiertem Deutsch geht das: Ich gebe Euch ein köstlich Beispiel. Ja, das war an sich schon das Beispiel.
In späteren Jahren fand ich durchaus Gefallen daran, mich auf diese Art auszudrücken: Den Schildermaler, bei dem ich während meiner Studienzeit arbeitete, sprach ich gerne in altertümelndem Deutsch an wie der mittelalterliche Geselle den Zunftmeister: „Meister, sehet her, welch zierlich Schriftzug diese Tafel schmücket!“ Er pflegte dann in passender Weise zu antworten, sodass Kunden, die Zeugen eines solchen Austauschs wurden, nicht recht wussten, wie sie mit uns dran waren.
Das ist nun alles schon sehr lange her… Heutzutage wollen natürlich alle attributiv gebrauchten Adjektive korrekt gegendert und nummeriert werden.
Hinterlasse einen Kommentar