Des Dokters Kater

Der Autor liest:

Dokter Friedrich Wilhelm Nather
hat schon wieder einen Kater,
doch nicht der Rotwein ist sein Vater,
nein, Krallen und auch Streifen hat er.

Die Jagd tut ihm nicht konvenieren,
ihm liegt viel mehr das Räsonieren,
das Grübeln und das Kontemplieren …
Und um ein Buch zu kritisieren,

das der Herr Dokter grade liest,
markiert s das schwarzgestreifte Biest
(weil Sprach ihm nicht gegeben ist),
das heißt, das Buch wird angepisst.

Besuchen Damen den Herrn Dokter,
dann „Schleich dich!“ durch die Blume sôgt er,
indem kurz auf dem Betttuch hockt er;
und nach der schlimmen Tat frohlockt er.

Um den Herrn Dokter zu versöhnen,
legt er an Vogel hin, an schönen,
tut sich ans Dokterbein anlehnen
und schnurrt in wohlig-tiefen Tönen.


Den geschätzen Lesenden (aller nur denkbaren Geschlechter) möchte ich das Gedicht „Beatus Catus“ in Erinnerung rufen, das dem leider nur allzu früh verschiedenen rotgestreiften Kater Dr. Nathers gewidmet ist. Das Tier hatte just am hundertsten Jahrestag des Sonnenwunders von Fatima durch sein Verhalten ein ebensolches Ereignis für Riedlingsdorf angekündigt, dessen Zeuge dann tatsächlich Dr. Nather wurde, welcher den Kater für seine Verdienste im Wege einer provisorischen Laienbeatifikation selig sprach, nachdem Gott ihn zu sich gerufen hatte.

Des Doktors neuer Kater hingegen hat wohl eher das Zeug zu einem Vorboten des Antichrist1 als zum Beatus. Meinen Vorschlag, den für die Gemeinde Riedlingsdorf zuständigen Pfarrer von Pinkafeld zu engagieren, damit dieser den Kater einem fachmännischen Exorzismus unterziehe, hat der Doktor offenbar nicht beherzigt; vielmehr kreisen nun seine Gedanken um die Austreibung eines fremden Katers aus seinem paradiesischen Garten, in welchem der ungebetene Gast Duftmarken mit ausgeprägter Brennesselnote setzt, um seinen Claim abzustecken. Die Übeltaten des neuen Doktorkaters sind dem gegenüber bereits vergessen.


  1. Hier ist nicht die Rede von einer beliebigen Person, die dem Christentum skeptisch oder ablehnend gegenübersteht, sondern vom „Antichrist“ (ohne Fallendung!) als dem endzeitlichen Widersacher Jesu Christi, wie er in zweien der drei „Johannesbriefe“ des Neuen Testaments erwähnt wird. ↩︎

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