Der Autor liest:
Mir ist was Blödes widerfahren
(und das kann jedem leicht passiern!):
Hab gheirat, statt mich nur zu paaren,
doch hab ich nichts gemeinsam mit der Frau,
mit der ich tu a Ehe führn;
weg ist die Glut, der Ofen nicht mal lau.
Sie plappert immer nach die Sager
– gereimt oder in schlichter Prosa –,
die kommen aus dem Dritten Lager.
Sozialabbau wird hingenommen
– und so tickt auch ihr‘ Schwester Rosa –,
wenn d Flüchtlinge nur nichts bekommen!
Ich sag, ich würde auch so denken,
und dass s mir aus der Seele spricht,
um nicht ihrn Zorn auf mich zu lenken:
Sie ist gebaut wie Marvin Hagler,1
einst Weltmeister im Mittelgwicht,
und ich mehr wie ein Mauersegler.
Erst ganz am Ende schwenk ich ab
von dem mir vorgeschriebnen Pfad,
und zwar wenn ich zu wählen hab,
wo ich denn nun mein Kreuzchen mache.
Dass s mir da dreinredt, fehlert grad!
Denn das ist einzig meine Sache!
Obwohl … wenn sie mich nachher fragert
und dabei misstrauisch fixiert,
und ich nicht überzeugend sagert,
dass ich gewählt hab so wie sie,
dann weiß ich nicht, was daraus würd;
und hoffentlich erfahr ich s nie!
Als ich „Marvina“ erdachte, war ich durch die Grundschullehrerin Herta Pongratz-Mospointner inspiriert, welche auch die politische Muse ihres Ehemannes Heinz ist. Obwohl sozialdemokratisch sozialisiert, ist Heinz nun voll und ganz von den Überzeugungen seiner Frau durchdrungen und missioniert in seinem Bekannten- und Freundeskreis, indem er in den sozialen Medien jeden Slogan teilt, in dem „Islam“ und „daham“ oder „Muezzin“ und „Pummerin“2 sich zu politischer Poesie vereinen. Den Protagonisten meines Gedichts wollte ich aber denn doch nicht in hoffnungsloser weltanschaulicher Gleichschaltung versinken lassen. Er macht sein Kreuzchen in der Abgeschiedenheit der Wahlzelle vielleicht doch dort, wo er möchte.
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