Der Autor liest:
[Pater Peter Rast]
„Frohlockt, wir sind am Gnadenorte,
quasi vor der Himmelspforte,
wo auf den müden Pilger warten
Indulte, Gnaden aller Arten,
wo pausbäckige Blaseengel …“
[Regina Coeli]
„Ja schon, aber nicht deinen Schwengel,
sondern himmlische Fanfaren.
Ich hoff, da simma uns im Klaren!“
[Pater Peter Rast]
„Das Gnadenbild, es lebt und spricht!
Seht ihr denn das alle nicht?“
[Erzähler]
Die Magna Mater lächelt milde,
natürlich ist sie längst im Bilde
und weiß, woran er häufig denkt,
während er die Herde lenkt.
[Regina Coeli]
„Lass den Bullshit“,
[Erzähler]
sagt sie dann,
[Regina Coeli]
„Ich weiß, wie ich dir helfen kann:
An Fuffzger musst in d Kassa schmeißen,
dann darfst dir einen runterreißen!“
[Erzähler]
Das Wunder war jedoch privat,
weil s niemand mitbekommen hat.
Nur wedeln sahn ihn alle Leute
vor dem Gnadenbilde heute.
Die Katholische Kirche in Österreich hat 1995 bekanntermaßen die Rolle des Vorreiters auf dem Gebiet innerkirchlicher Missbrauchsskandale übernommen, aber der prominente Beschuldigte der ersten Stunde lebt nicht mehr, und de mortuis nihil nisi bene.1
Der Verdienste, die Hans Hermann Groer sich erworben hat, erinnert sich heute kaum noch jemand. Zu diesen gehört etwa auch die Erneuerung der in Vergessenheit geratenen Marienwallfahrt zu einem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gnadenbild, das sich in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Roggendorf bei Hollabrunn befindet.
Der Steine sind genug geworfen, denke ich, und ich möchte den unglücklichen Kardinal in Frieden ruhen lassen. Die weiter oben wiedergegebene Ballade – eines meiner literarischen Kinder sozusagen – hat ohnehin auch noch einen anderen Patenonkel, und zwar einen Geistlichen namens Bings aus der südwestirischen Stadt Limerick.2
Die Himmlischen erscheinen immer nur einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen, um ihre Botschaften zu deponieren, welche kundige Theologen den zumeist ungebildeten oder – besser noch – kindlichen Zeugen oft erst im Rahmen langwieriger Befragungen entlocken können. Das klingt recht mühsam, aber so gefällt es eben dem Himmelvater, sagt Jesus selbst doch in Matthäus 11,25:
„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.“
Im Falle der (zur Zeit der Erscheinung zehnjährigen) Fátima-Sehenden Lúcia dos Santos etwa vergingen Jahrzehnte bis die Botschaft der Heiligen Jungfrau von 1917 im vollen Umfang von zig Seiten beisammen war. Die Quintessenz daraus: Sich beknirschen und Rosenkranz beten, sonst Hölle.
Eine ordentliche Marienerscheinung im Europaparlament oder vor der UNO-Generalversammlung wär‘ natürlich gleich etwas ganz anderes, sollte man meinen, aber das spielt’s halt leider nicht. Da die Jungfrau wieder einmal nur einem einzelnen Menschen (Pater Peter Rast) erschienen ist, allen anderen Anwesenden aber nicht, ist dessen Verhalten nun umso unverständlicher und peinlicher. Nach seiner Befragung durch theologische Kapazunder und nachdem er seine wundersamen Erlebnisse schriftlich niedergelegt hat, ist jetzt klar, dass ihm die Himmelskönigin einfach nur sagen wollte, dass er sich nach dem Entrichten einer großzügigen Spende einen der über dem Opferstock als kleines Dankeschön aufgehängten Plastikrosenkränze nehmen dürfe. Er solle ihn – der Botschaft von 1917 entsprechend – täglich herunterbeten, um den Versuchungen standhalten zu können, die Satanas für die Menschen bereithält. Die sündigen Gedanken, welche den gebeteten Abwehrschirm durchbrächen (meist, wenn er vor dem Knabenchor stehe), müsse er aus tiefstem Herzen bereuen. Die das Wunder von Fátima ergänzende neue Revelation – von Pater Rast erst gründlich missverstanden, nun jedoch sachkundig aufbereitet – lautet (aufs Wesentliche reduziert):
Da ecclesiae fructum laboris tui, poenitentiam age et ora!3
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