Der Autor liest:

Wôs môcht der Wôchter denn auf d Nôcht,
Was macht denn der Wachmann gegen Abend,
nau sôg ma so um hôjba ôcht?
na sagen wir so um halb acht?

Er lôcht, wäul a s so weit hôt brôcht
Er lacht, weil er es so weit gebracht hat
und ôjs ein Zeichen seiner Môcht
und als ein Zeichen seiner Macht
– waunn er grôd Obôcht gibt und wôcht
– wenn er gerade Obacht gibt und wacht –
a GƖock jetzt trôgt, die blitzt und krôcht,
jetzt eine Glock trägt, die blitzt und kracht,
wenn s plötzlich kummt amôj zur Schlôcht
wenn es plötzlich einmal zu Schlacht kommt
mit einem Muaterl, dés net môcht,
mit einem Mütterlein, das nicht tut,
wôs si sei Sôchwôjta hôt dôcht.
was sich sein Sachwalter gedacht hat.

Môcht von der GƖock Gebrauch der Wôchter,
Macht der Wachmann von der Glock Gebrauch,
braucht er wôahrscheinlich daunn kan Ôchter.1
braucht er danach wahrscheinlich keine Handschellen.

Bild: Sgt.Hondo in der
deutschsprachigen Wikipedia

Nach der Achtlosigkeit, der ich das Gedicht „Rätsel“ gewidmet habe, wende ich mich nunmehr der Achtsamkeit zu. Wir Wiener2 sind besonders gut mit der Notwendigkeit vertraut, achtsam zu sein, da wir – immer wenn wir öffentliche Verkehrsmittel benutzen – per Lautsprecherdurchsage auf das Gebot der Achtsamkeit hingewiesen werden. Wenn ich das entsprechende Stück Öffi-Prosa richtig in Erinnerung habe, so lautet es folgendermaßen:

„Seien Sie bitte achtsam! Sie brauchen den Sitzplatz anderer vielleicht notwendiger.“

Das Thema der Achtsamkeit schien mir wichtig genug, um auch meine eigene dichterische Kreativität dafür zum Einsatz zu bringen. Das Ergebnis meines Ringens mit Worten und Reimen, wie es weiter oben dargeboten wird, ist auch als Hommage an jene Menschen zu verstehen, die von berufs wegen achtsam sind. Lesende (jedweden Geschlechts) werden meine Verse jedoch nur dann in ihrer Tiefgründigkeit zu würdigen wissen, wenn sie über folgende Sachinformation verfügen: Im Jänner 2021 gelang es in Wien-Hietzing Elite-Polizisten der WEGA, – dank ihrer ausgezeichneten Nahkampfausbildung, dank des effizienten Gebrauchs der Schusswaffe und eben dank ihrer Achtsamkeit – eine verwirrte 67jährige Pensionistin gerade noch rechtzeitig zu neutralisieren, bevor einer oder mehrere der Männer Schaden nehmen konnten. Die alte Dame hatte – wohl nicht ganz einverstanden mit der Zuweisung einer Heimhilfe – zuerst diese mit einem Küchenmesser bedroht und schließlich sogar Anstalten gemacht, die herbeigerufenen Spezialkräfte mit dem Küchengerät zu massakrieren!


  1. „Handschellen“ in der Sprache der Polizeibekannten. ↩︎
  2. … und selbstverständlich in Wien lebende Menschen jedweden Geschlechts … ↩︎

Entdecke mehr von Gschichtl

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar