Der Autor liest:

Korrigierte Version:
Ich ertrage es nicht mehr,
cremige Süßspeise aus dunkler Schokolade, Ei, Zucker und Butter!
Zu spät, die Katastrophe ist bereits eingetreten! –
– Kleiner Schokoladekuchen in der Form eines Gugelhupfs, dem etwas Schlagobers beigegeben ist!

Das ursprüngliche Gedicht besaß den Vorzug, in wenigen hervorgepressten Wortstößen sehr anschaulich die Not zum Ausdruck zu bringen, die den Ich-Erzähler peinigt. Lesenden (aller nur denkbaren Geschlechter) wurde damit das Empfinden der „Kôarl-du-bist’s-net“-Genugtuung1 ermöglicht, während das Verstehen der peristalto-gastronomischen Allusionen ihrem Ego schmeicheln mochte („I hôb s gschnôjjt!“).
Meine Frau machte mich jedoch darauf aufmerksam, dass kräftig pigmentierte Menschen sich durch die Verwendung des Begriffs „Mohr im Hemd“ beleidigt und angegriffen fühlen können. Ich sah auch gleich die Untauglichkeit meines reflexartig vorgebrachten Vorschlags ein, den kleinen Kuchen dann einfach „Mohr:in im Hemd“ zu nennen, weshalb ich schließlich eine zwar etwas längere, dafür aber unmissverständliche und sachliche Beschreibung der Süßspeise wählte, die man früher gedankenlos als „Mohr im Hemd“ zu bezeichnen pflegte. An der ersten – devalidierten (!) –Version meines Gedichts erkennen Sie, dass ich da nicht nur mit dem Finger (meiner Frau) auf andere zeigen kann, sondern mich durchaus auch an der eigenen Nase nehmen muss! Für die Wahrnehmung bedenklicher Termini sensibilisiert, vermied ich darum sicherheitshalber auch den Ausdruck „Mousse au Chocolat“ und listete an seiner Stelle die Komponenten auf, aus denen Letzeres besteht.
Damit ist dem Gedicht nun freilich sein ursprünglicher Sinn abhandengekommen, und es ist zu einem Stück experimenteller Poesie geworden, das mehr über die es deutenden Lesenden verrät, als über den Dichter.
- Gemeint ist die tiefe innere Befriedigung des Nichtbetroffenen, der Qualtingers „Herr Karl“ mit eben diesen Worten – „Kôarl, du bist’s net!“ – Ausdruck verleiht, wenn er das Folgetonsignal der Rettung vernimmt. ↩︎
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