Der Autor liest:
Wenn niemand da ist, sagt man: „keiner“;
und zwei sind deutlich mehr als einer.
Wer ein Aug hat, ist nicht mehr blind,
wobei zwei Augen besser sind.
Und paarig sind oft Körperteile!
Manch einzelner hat Langeweile
und sucht – so wie die Nacht den Tag –
was gut zu ihm wohl passen mag
als Gegensatz und Komplement,
bis dass der Falz die Nut erkennt.
Was schon dem Single Freude macht,
wird paarweis besser noch vollbracht.
Mit diesem Beitrag setze ich die Reihe zahlenmystischer Dichtungen fort und richte mein Augenmerk auf die einzige gerade Primzahl, die – wenn sie etwas Muße hat und nicht gerade für triviale Zählarbeiten herangezogen wird – für Paare von Gegensätzen steht, in denen das Eine das Andere ausschließt und gleichzeitig bedingt: Tag und Nacht, Gut und Böse, Yin und Yang – und Mann und Frau natürlich.
Das erste Menschenpaar wurde von Jahweh und Aschera1 nach dem Vorbild ihrer eigenen Ehe erschaffen. Es dauerte wohl noch eine Weile, bis bei Adam der Groschen fiel, aber in Genesis 4,1 hatte die Nut den Falz endlich so weit, dass er sie erkannte, und die Weltbevölkerung nahm gleich um 50 Prozent zu.
- Aschera wird zwar in Genesis 1 nicht namentlich erwähnt, aber in den Sätzen, welche die Erschaffung des Menschen zum Inhalt haben, stehen in der hebräischen Bibel noch ein paar Pluralformen herum, die sich nicht gut mit dem Bild des einsamen Junggesellen Jahweh vertragen und die Vermutung nahelegen, dass in älteren Textvorlagen durchaus noch explizit von einem Götterpaar die Rede war. Die Volksfrömmigkeit hielt noch lange an der Muttergöttin fest, und König Josia musste (dem Zweiten Buch der Könige 23,4 zufolge) gar dem Hohenpriester Hilkija befehlen, Gegenstände aus dem Tempel zu schaffen, die der Verehrung Ascheras (und Baals) dienten. ↩︎
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