Antwort an Lena

Lena Schilling, die Spitzenkandidatin der Grünen hat mir (und vielleicht auch anderen) heute eine sehr persönliche und sehr offene E-Mail geschrieben, die im Zusammenhang mit irgendwelchen neuen Geschichten über sie steht, die gestern (21. 5. 2024) aufgekommen sind.

Ich verspürte daraufhin das Bedürfnis, mit gleicher Offenheit zu antworten und mir einiges von der Seele zu schreiben, das ich dort bisher immer unter Verschluss gehalten hatte.

Confessiones

Liebe Lena,

ich danke Dir für Deine Offenheit und will deshalb auch ganz offen zu Dir sein:
Es gab in meinem Leben durchaus Momente, auf die ich nicht stolz bin. So habe ich zum Beispiel einem Mäderl mit wunderhübschen blonden Stoppellocken ein Küberl voll Sand über den Kopf geleert, weil es mir meine Sandburg zertrampelt hatte. Das Mäderl wollte wahrscheinlich nur mit mir spielen und war sich wohl der Tatsache gar nicht bewusst, dass es einen wichtigen Teil meines Lebenswerks zerstört hatte, denn wir lebten ja beide noch nicht lange, und in dieser kurzen Zeit war eben noch nicht sehr viel mehr zustande gekommen, das ich als meine Kreation hätte vorweisen können. Das heißt … einmal hatte ich einen kreativen Schub und musste einfach die Wohnzimmerwand mit Buntstiften verschönern; aber dann kamen mir Bedenken, und ich nahm all meine Kraft zusammen und stemmte mich gegen ein kleines Schränkchen, um es vor das von mir geschaffene Mural zu schieben. Meine Tat blieb dennoch nicht unbemerkt…
Doch zurück zur Sandkiste: Den Erzählungen meiner Mutter zufolge habe ich nach der Zerstörung meiner Sandburg durch das Stoppellocken-Mäderl mein Küberl sorgfältig mit Sand gefüllt, mich dann erhoben und dem Kind ohne erkennbare Emotion den Inhalt des Küberls drübergeleert. Heute muss ich sagen: Das war – trotz aller scheinbaren Sachlichkeit, mit der ich, gleichsam als zwangsläufige Konsequenz des mir angetanen Unrechts, meine Tat begangen habe – ein Akt körperlicher Gewalt, noch dazu verübt an einer zukünftigen Frau! Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen!
Leider aber ist es nicht bei diesem einen Vorfall geblieben, habe ich doch einem hyperaktiven Buben, der angefangen hatte, meine Sandbauten zu usurpieren, in zwei knappen Worten nahegelegt, sich zu entfernen: „Putz di!“ Ich hatte diesen Ausdruck erst kurz zuvor gelernt, und wandte ihn an, weil er mir weniger aggressiv vorkam als „Schleich di!“, welches ich ebenfalls schon im Repertoire hatte. Meine Mutter rügte mich dennoch dafür, und zu Recht, muss ich heute sagen, denn es hatte sich ganz eindeutig um die Ausübung verbaler Gewalt gehandelt!
Natürlich war ich nicht nur Sandkistentäter, sondern auch -opfer, denn ein Schauferl, das mir sehr lieb und wert war, weil es aus Metall bestand, was sehr viel effizientere Aushubarbeiten ermöglichte, als Plastikschauferln erlaubt hätten, befand sich plötzlich im Besitz eines anderen Kindes. Ich hatte das Werkzeug wohl weggelegt, um mit meinen Händen die Oberfläche eines Bauwerks zu glätten, und währenddessen muss jenes andere Kind sich mein Schauferl angeeignet haben. Zwischen unseren Müttern entwickelte sich deshalb eine hitzige Diskussion, aber mein Schauferl bekam ich nicht wieder. Und erst viele, viele Jahre später erhielt ich beim Bundesheer wieder eines aus Metall.

Mit der Europa-Wahl hat das alles natürlich nichts zu tun, klar.

Viele liebe Grüße,

Dein Rudi


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