Der Protagonist des folgenden Gedichts ist ein junger Mann – nennen wir ihn Adnan –, der die Hauptschule erfolgreich abgeschlossen und deshalb das Jahreszeugnis der vierten Klasse, in dem es nur Einser und Zweier gibt, stolz vor seinen Migrationshintergrund gehängt hat, direkt neben die Krone des „Rechenkönigs“.
Das gute Zeugnis und die Freundlichkeit der Menschen, die ihm am Tag der offenen HTL‑Tür begegnet sind, haben in ihm und vor allem im Herzen seines Vaters einen kühnen Plan reifen lassen: Er würde nicht einfach nur das neunte Schuljahr im „Poly“ absitzen, sondern seine akademische Karriere vielmehr in einer Höheren Technischen Lehranstalt fortsetzen!
Adnan hat nun schon einiges gelernt von Dioden, Kondensatoren und Widerständen, aber auch vom Unterschied zwischen Schein und Sein oder Theorie und Praxis. An den hohen Erwartungen, mit denen er sein HTL-Noviziat begonnen hat, hält er im Wesentlichen aber fest.
Wir wünschen ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute!
Der Autor liest:
In der Hauptschul Rechenkönig –
– gemma in den HTL!1
Rechenkönig zählt nur wenig,
hamma dann begriffen schnell!
Mussta brav sein, lernen, sitzen,
weil der Lehrer sonsta schimpft.
Lernen tut manchmal nix nützen:
Trotzdem schimpft er, ver und glimpft!
Weil wennst kein Eingeborner bist,
hastas manchmal doppelt schwer:
Wennst was nicht weißt und was vergisst,
heißts Dodel und Behinda der.
Ausbildung aber ist sehr gut!
Und an der Praxis orjentiert!
Auf „gut“ sich manches reimen tut,
nur halt nicht immer passen wird.
Kannst nacher in der Arbeitswelt,
wennst überlebst den HTL,
kannst du machst a Massa Geld!
Musst nur erst findst a Arbeitsstell.
Und wenn mit gute Job nix wird?
Stadtschulrat2 wird dich verpflichten!
Und weißt auch schon, zu was das führt?
Statt dass lernst, tust unterrichten!
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