Der Autor liest:
Ôjs Éastas sôg i glei amôj:
Zunächst möchte ich feststellen,
gégen dé Deitschn hôb i nix,
dass ich nichts gegen die Deutschen habe,
nix Wiaksaumes auf jéden Fôjj …
jedenfalls nichts Wirksames …
… Naa, glau(b) ma dés, héast, gruzefix,
… Nein, so glaub es mir doch, zum Donnerwetter,
dés wôar a Witz, vaschtähst kan Schpaß?
das war ein Witz, verstehst du denn keinen Spaß?
Mei Frau, héast, is Berlinerin!
Meine Frau ist Berlinerin, hör mal!
Humorlosichkeit môcht mi haß.
Humorlosigkeit ärgert mich.
Mei bésta Freind is aus Schwerin!
Mein bester Freund ist aus Schwerin!
Bist wieder jétz in Gleichgewicht?
Bist du jetzt wieder im Gleichgewicht?
Nau guat, daunn kémma weidarédn.
Na gut, dann können wir weiterreden.
Dé Deitschen kénnan leida nicht,
Die Deutschen Kennen leider nicht,
wôs uns vatraut is (fôst) an jedn.
was (fast) jedem [und jeder!] von uns vertraut ist.
Jô – du wiast lôchn – s is die Uhr!
Ja du wirst lachen s’ist die Uhr!
Dreiviadl oder viadlôcht
Dreiviertel oder viertel acht
– des sôg i jetzt ôjs Beschpü nur –
das sag ich jetzt nur als Beispiel
a sojche Zeitaungôbe môcht
solch eine Zeitangabe macht
an duachschnittlichn Deitschn kraunk.
einen durchschnittlichen Deutschen krank.
Dô hüft ka lébmslaunges Übm!
Da hilft kein lebenslanges Üben!
Mei Frau hôt mi jô, gottseidaunk.
Meine Frau hat ja mich, Gott sei Dank.
I sôg ihr daunn: „Vier-tel nach siebm“
Ich sag ihr dann: „Vier-tel nach sieben“
beziehungsweis „Vier-tel vor acht“,
beziehungsweise „Vier-tel vor acht“,
so kaunn sie bei uns iwalébm.
so kann sie bei uns überleben.
Nua, waunn i schtirb … daunn gute Nacht!
Nur, wenn ich sterbe … dann gute Nacht!
Wäu daunn muass s zruck nôch Deitschlaund ébm
Denn dann muss sie eben zurück nach Deutschland
oda in d Senjôanresidenz.
oder in die Seniorenresidenz.
Dabei is s gôa net schwer, soweit
Dabei ist es doch gar nicht schwer, sofern
s eich ans (bitte) nur merken kénnts:
ihr euch eines bitte nur merken könnt:
Dé Brüche sông da, wiavü Zeit
Die Brüche sagen dir, wieviel Zeit
vabei is von da voijjn Schtund.
von der vollen Stunde vergangen ist.
Viadl, hôjwa und dreiviadl
Viertel, halb und dreiviertel
ôchte, neine, zehne … und?
acht, neun, zehn … und?
Wôjjts as gsunga haum ôjs Liadl?
Wollt ihr es etwa als Lied gesungen haben?
Dés „Viadl voa“ und „Viadl nôch“
„Viertel vor“ und „Viertel nach“
vaschténgan mia jô schließlich aa!
verstehen wir ja schließlich auch!
Nua … bloß a großes, schwôazes Loch
Jedoch bloß ein großes schwarzes Loch
seng Deitsche schtôtt „dreiviadl zwa“
sehen Deutsche statt „dreiviertel zwei“
und aundre sojche Zeitbegriffe.
und anderer solcher Zeitbegriffe.
Mächt wissen, nôch wôs fiar an Plan
Ich möchte wissen, nach was für einem Plan
dé Deitsche Baun fôat und dé Schiffe.
die Deutsche Bahn und die Schiffe fahren.
Naujô … i glaub, dé haum gôa kan.
Naja … ich denke, die haben gar keinen.
In den „Letzten Tagen der Menschheit“ haben wir noch schwer beeindruckt aufgeblickt zu unseren Waffenbrüdern im Norden, denn während bei diesen alles ruckzuck und zackzack ablief wie am Schnürchen, ging’s bei uns zu wie … na wie eben in den „Letzten Tagen der Menschheit“. Ein schon leicht vertrottelter österreichischer General sagt darum in Szene 27 ebendieses Œuvres aus der Feder Karl Krausens ungefähr1 Folgendes zu seinen Offizieren:
„Schaun S‘ meine Herrn, da können S‘ sagen was Sie wolln gegen die Deutschen, ned woa – eines muss ihnen der Neid lassen, sie ham halt doch die Or[gani]sation. Ich sag‘ immer, und darauf halt ich: Wenn nur a bisserl a Or[gani]sation bei uns wär‘, nacher gingerts schon; aber so, was uns fehlt, is halt die Or[gani]sation, ned woa. Das ham die Deutschen uns voraus, das muss ihnen der Neid lassen. Gewiss, auch wir ham ihnen manches voraus, zum Beispiel das gewisse Etwas, das Schenesekoá, das muss uns der Neid lassen – aber wenn wir in einer Schlamastik sind, da kommen halt doch die Deutschen mit ihnerer Or[gani]sation. Es müsste der Ehrgeiz von einem jeden von Ihnen sein, für’n nächsten Krieg die Or[gani]sation bei uns einzuführn.“
Der Autor liest das Zitat:2
Aber so wie die Römer in der Spätantike allmählich zu Italienern geworden sind, haben auch die Deutschen mittlerweile viel von ihrem Zackzack-Nimbus eingebüßt. Nach meinem Dafürhalten hat das sehr viel mit der Digitalisierung zu tun, im Zuge derer altehrwürdige Kulturtechniken wie das Ablesen der Uhrzeiten von einem Zifferblatt in den Hintergrund getreten sind, weshalb es sehr schwierig geworden ist, Termine mit unseren großen Brüdern (und Schwestern!) zu vereinbaren. Ich rate Ihnen dringend, immer nur die volle Stunde zur Grundlage einer Verabredung mit Deutschen zu machen, alles andere führt nur zu Missverständnissen und ins Chaos. Jedermann (und jedefrau natürlich), der (die) heutzutage mit der Eisenbahn nach Deutschland fährt und dort womöglich auch noch umsteigen muss, weiß, was ich mit “Chaos“ meine.
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