Der Autor liest:
Ôllas vakéat auf déara Wőd:
Alles verkehrt auf dieser Welt:
Déa wôs es braucht, déa hôt ka Gőd,
Derjenige, der es braucht, hat kein Geld,
und haum tuat s déa, wôs aundre prőt
sehr wohl aber hat es derjenige, der andere prellt
und ôôhojd, wôs a ned béschtöd.
und abholt, was er nicht bestellt.
Aum béstn lég ma s Géaschtl zaumm,
Am besten legen wir unsere Einkünfte zusammen,
damit ôlle daunn a bissl haum.
damit alle dann ein wenig haben.
Zag amôj héa, wôs hôst n du dô?
Zeig einmal her, was hast du denn da?
Héast, dés schaut aus wia ra Escudo.
Hör mal, das sieht aus wie ein Escudo.
Häst dén jétzt vaschtéckn wojjn?
Hättest du diesen jetzt verstecken wollen?
Héast, ôôgém häst n ôwa sojjn!
Hör mal, abgeben hättest du ihn sollen!
Nau guat, waßt wôs? I hôjt dé Goschn,
Na gut, weißt du was? Ich werde das verschweigen,
waunnst ma zôjst an Schweigegroschn.
wenn du mir einen Schweigegroschen zahlst.
Nanaa, den Rubel kaunnst da ghôjdn,
Nein, nein, den Rubel kannst du behalten,
wäu mi brauchst net fia deppert hôjdn!
denn du brauchst mich nicht für dumm zu verkaufen!
Da Preis is gschtiegn, jetzt is s a Peso.
Der Preis ist gestiegen, jetzt ist es ein Peso.
Héast, i zarreiß mi fiar eich eh so.
Hör mal, ich zerreiße mich doch auch für euch.
Und jetzt is déa drau(n) … lôss mi rôdn:
Und jetzt ist der da dran … lass mich raten:
Du hôatest a poar Gojddukôdn!
Du hortest ein paar Golddukaten!
Lôss schaun, wôs hôst n dô? … Wôs, Lei!?
Lass sehen, was hast du denn da? … Was, Lei?
Und sunst hôst gôa nix méa dabei?
Und sonst hast du gar nichts mehr dabei?
Wia wüst n mi daunn bitte zôjn?
Wie willst du mich dann bitte bezahlen?
Mit Monopoli-Gőd wüst mi rojjn?
Mit Monopoli-Geld wills du mich veräppeln?
Déa Schutz, déa is doch aa wôs wéat,
Der Schutz ist doch auch etwas wert,
déa – waunnst brav bléchst – wiad da gewéat!
der dir gewährt wird, wenn du brav blechst!
Nau schau, dô haumma jô dé Dolla(r),
Na sieh mal, da haben wir ja die Dollars,
dés wiad no a Éafojg, ein volla!
Das wird noch ein voller Erfolg!
Und méak da: Ehrlich währt am längsten!
Und merk dir: Ehrlich währt am längsten!
I kumm da eh drauf, héast, wôs déngstn,
Ich komme dir ohnehin auf die Schliche, was denkst denn du,
waunnst mi vielleicht vaôaschn wüst.
wenn du mich vielleicht veräppeln willst.
Sei froh, dass d ned glei ôjs los bist,
Sei froh, dass du nicht gleich alles lost bist,
waunnst dé Gemeinschôft hintagähst!
wenn du die Gemeinschaft hintergehst!
Wäu, waunn du gaunz ala(n) dôschtähst,
Denn, wenn du ganz alleine dastehst,
gib i fia di kan Pfénnig mehr.
gebe ich für dich keinen Pfennig mehr.
Nau sôg, wéa hüft da daunn no, wéa?
Na sag schon, wer hilft dir dann noch?
Da Néxte, bitte … Wôs bringst du?
Der Nächste bitte … Was bringst du?
Nau éndlich – Gőd aus da EU!
Na endlich – Geld aus der EU!
Dé Münzn san fia n Opferschtock.
Die Münzen sind für den Opferstock.
Wo hôst s Papiergőd, héast,… in Sôck?
Wo hast du denn das Papiergeld,… in der Hosentasche?
Drah um amôj dé Hosntôschn;
Dreh einmal die Hosentaschen um;
net dass d as drinlôsst gôa bein Wôschn!
nicht dass du es (das Geld) vielleicht gar drin lässt beim Waschen!
Dô dammas liawa aussenémma.
Da nehmen wir’s doch lieber heraus.
Lôss s ummewôxn s Gôd jétzt, gémma!
Lass jetzt das Geld rüberwachsen, na los!
Nau wôs iis, héast, tua péafôamen,
Was ist den los, tu endlich was,
leist dein Beitrôg fia dé Ôamen!
leiste deinen Beitrag für die Armen!
Jene unserer Vorfahren, die sich das zum Leben Nötige sammelnd und jagend in der Natur bloß aneigneten, lebten damit gleichsam von der Hand in den Mund und – noch prekärer – manchmal wohl auch von der Hand im Mund. Unsere altsteinzeitlichen Ahnen mögen einander gelegentlich im Streit um die Beute getötet oder einander sogar als Jagdbeute aufgefressen haben, und Mizzi Steinjäger hat vielleicht der Herta Feuerhüter eins mit dem Faustkeil übergezogen, um sich ihres Pelzmantels zu bemächtigen; im Großen und Ganzen aber besaßen diese Leute nichts, was sie einander hätten nehmen können – außer dem blanken Leben.
Das änderte sich mit dem Übergang zu produzierenden Formen des Wirtschaftens: Ackerbau und Viehzucht erlaubten die regelmäßige Erzeugung von Überschüssen, was einigen findigen Köpfen die Gelegenheit bot, sich vor der Knochenarbeit zu drücken unter dem Vorwand, die Buchhaltung zu machen oder achtzugeben, dass die Nachbarn nicht die Vorräte klauten; die Königsdisziplin war dabei aber zweifellos die Pflege der Kontakte mit den Göttern, von deren Launen das Fortbestehen gedeihlicher klimatischer Bedingungen abhing.
Und ist es nicht in jedem Betrieb so, dass die Bürotypen sich erhaben über diejenigen fühlen, welche die eigentliche Arbeit leisten? Kein Wunder also, dass aus den Funktionären eine herrschende Klasse wurde.
Jedenfalls gab es von nun an sehr wohl einiges, das Menschen einander wegnehmen konnten: Ernten, Ackerland, Viehherden, die persönliche Freiheit… Bald kamen Waren aller Art dazu und vor allem die eine Ware, die zu nichts anderem gut ist, als gegen alle anderen eintauschbar zu sein – das Geld.
Geschichte ist die Erzählung davon, was Menschen sich alles einfallen lassen, um einander zu expropriieren.
Hinterlasse einen Kommentar