Der Autor liest:
Umsunst is da Tod, und déa kost es Ḷém;
Kostenlos ist (nur) der Tod, und selbst dieser kostet das Leben;
umsunst tuat es heite rein gôa nix méa gém.
Gratis gibt es heutzutage rein gar nichts mehr.
Mit ôjn kauma haundḷn, und ôjs wiad zua Ware.
Mit allem kann man Handel treiben, und alles wird zur Ware.
Und aa waunnst scho hi(n) bist und ḷiegst auf da Bahre,
Und selbst wenn du gestorben bist und auf der Bahre liegst,
dô zeigt si éascht recht: Nua dés Bare is s Wahre!
zeigt sich erst recht: Nur das Bare ist das Wahre!
Dei bissḷ Gschpôates, dés gäht nôcha tschare
Deine geringen Ersparnisse werden aufgebraucht
fian Sôag und dé Bluman, fiad Kéazn und d Musi.
für den Sarg und die Blumen, Für die Kerzen und die Musik.
Und wéa hôjt dé Réde? Sôg, hôjtst vieḷḷeicht du sie?
Und wer hält die Rede? Sag, hältst vielleicht du sie?
Nau ôjso, da Pfôarra is aa no zum zôjn,
Na also, der Pfarrer muss auch noch bezahlt werden,
oda da Grôbrédna, waunn d Ḷeit an wojjn.
oder der Grabredner, wenn die Leute einen wünschen.
In Himme wiast aa einewojjn, oda net?
In den Himmel wirst du (wohl) auch kommen wollen, oder etwa nicht?
Dô kaumma nôchhőfm – waßt, wia dés gäht?
Dabei kann man nachhelfen – weißt, du wie das geht?
Grégorianische Méssn muaßt kaufm,
Gregorianische Messen musst du kaufen,
glau(b)mas, dé Investizjon zôjt si aus!
glaub mir, diese Investition lohnt sich!
Dô brauchst di net au(n)schtön min Ôamutschgaḷhaufm,
Dann brauchst du nicht Schlange zu stehen mit der großen Masse,
gehst eine aum Fast Träck und füh(l)st die glei zaus!
gehst auf dem Fast track hinein und fühlst dich gleich zu Hause!
Nua déaf dabei ôwa da Pfôarra net tschiitn,
Nur darf dabei aber der Geistliche nicht schummeln,
nimmts Geaschtḷ womöglich, bricht ôô in da Mittn,
indem er womöglich dein Geld nimmt, aber mittendrin abbricht,
oda ḷést gôa kane vun dé dreißg Méssn
oder gar keine von den dreißig Messen liest
und sôgt: „Tuat ma ḷaad, héast, dés hôb i vagéssn!“
und sagt: „Tut mir leid, das habe ich vergessen!“
Déafst hôjt zan Méssḷésn kan aungaschian,
Du darfst eben zum Messlesen niemanden engagieren,
démst kan Gébrauchtwôgn ôôkaufm täst.
dem du keinen Gebrauchtwagen abkaufen würdest.
Dés is – denk i ma – a brauchbôara Test,
Das ist – denke ich – ein brauchbarer Test,
wäu waunnst amôj hi(n) bist, kaunnst nix kontrollian.
denn, wenn du einmal gestorben bist, kannst du nichts mehr kontrollieren.
An Postn no häd i jétzt fôst iwaseng:
Einen Posten noch hätte ich jetzt fast übersehen:
Aa waunnst nua méa Baana bist oda ra a Ôschn,
Auch wenn du nur mehr aus Knochen oder Asche bestehst,
ḷiegst iagndwém imma no auf seina Tôschn,
liegst du dennoch irgendjemanden noch auf der Tasche,
– und dô is dé Friedhofsvawôjtung séa schtréng –
– und in dieser Hinsicht ist die Friedhofsverwaltung sehr streng –
wäu dé Gruam ghéat da net, Mieta bist nua,
denn die Grube gehört dir nicht, du bist nur Mieter,
und iagndwéa muaß aa in Zins fia di zôjn.
und irgendjemand muss für dich die Miete bezahlen.
Waunn net, daunn is s aus mit da éwign Ruah.
‚Wenn nicht, dann ist es aus mit der ewigen Ruhe.
Déswéng wéan s di net ausn Grôb ausehôjn,
Deswegen werden sie dich (schon) nicht aus dem Grab herausholen,
du griagst nua Gésöschôft vun wém, déa fést brénnt.
aber du bekommst Gesellschaft von jemandem, der bezahlt.
Und dass kaana den Ôat, wo du bist, daunn méa kénnt,
Dass dann niemand den Ort mehr kennt, an dem du bist,
dés kaunn da wuascht sei; bein Jüngstn Géricht
kann dir egal sein; anlässlich des Jüngsten Gerichts
griagst äh wieda d gaunze Bagaasch zu Gésicht.
bekommst du ohnehin wieder die ganze Mischpoche zu Gesicht.

Früher oder später zieht der Schnitter bekanntlich uns alle aus dem Verkehr. Als spezialisierter Profi beschränkt er sich auf seine mörderische Kernkompetenz und schafft den vorläufig noch am Leben Gebliebenen nach begangener Tat nicht etwa auch noch unsere sterblichen Überreste aus dem Weg. Damit erzeugt er aber immerhin einen krisenfesten Markt für die Angebote qualifizierter Tatortreiniger, welche die Entsorgung übernehmen. Die konstante Nachfrage nach einschlägigen Dienstleistungen wirkt natürlich nicht gerade preisdämpfend. Für seine Angehörigen ist jemandes Ableben meist also schon deshalb kein Grund zum Jubeln.
Die bange Frage „Was geschieht mit mir, wenn ich diese Welt verlassen habe?“ gibt einem genialen weiteren Geschäftsmodell Raum, sich variantenreich zu entfalten, das auf dem Handel mit dem ewigen Leben beruht, einer Ware, deren tatsächliche Existenz und Lieferung der Konsument nicht überprüfen kann. Wenn er das auch gar nicht (mehr) will, dann ist ihm der sogenannte „Glaube“ zuteilgeworden. Um die unangenehme Wartezeit abzukürzen, die er als ganz normaler katholischer Sünder wahrscheinlich in der Besserungsanstalt Fegefeuer verbringen muss, wird er – wenn er denn wirklich gläubig ist – liebend gern noch zu Lebzeiten die paar Netsch ausgeben, die eine gregorianische Messreihe kostet. Und wenn das Börserl es zulässt, wird er vielleicht sogar ein Abo erwerben, damit seine arme Seele auch in folgenden Jahren fachmännisch der Gnade Gottes anempfohlen wird.
Hinterlasse einen Kommentar