Der Autor liest:
I bin – gƖaub hôjt i – a besonderer Fôjj,
Ich bin – glaube ich wenigstens – ein besonderer Fall,
wäu daunn und waunn geh i recht gern ins Schpitôj,
denn dann und wann gehe ich recht gern ins Spital,
(obwohl i a bisserḷ an Sőbstbehôjt zôj),
(obwohl ich einen geringen Selbstbehalt zahle),
wäu duat draht si ôllas um mi wiedramôj.
denn dort dreht sich wiedereinmal alles um mich.
Von gaunz weit wégka san sehr ḷiawe Schwéstern,
Von ganz weit weg sind sehr liebe Schwestern,
(de schḷaunken gfôjjn ma, ôwa mehr no d féstern).
(die schlanken gefallen mir, aber mehr noch die robusteren).
I find so guat wia nix, um driwa z ḷästern.
Ich finde ich so gut wie nichts, um mich darüber zu beschweren.
Und frisch wôa s Frühstücksweckerḷ gôa scho géstern!
Und frisch war das Frühstücksbrötchen gar schon gestern!
Nur gaunz unt in Haus, in der Pathologie …
Nur ganz unten im Haus, in der Pathologie…
Gansḷhaut kriag i beim Gedaunken, dass s mi …
Gänsehaut bekomme ich bei dem Gedanken, dass sie mich …
mei depperter Bettnôchba ghéarat duat hi,
mein dummer Bettnachbar gehörte dort hin,
und sovü is sicher: Dawäu no ned i!
und soviel ist sicher: ich vorerst noch nicht!
Am heutigen Murmeltier-Wahlsonntag1, dem 29. September 2024, möchte ich nicht von düsteren Vorahnungen künden, sondern – wenigstens bis zur ersten Hochrechnung im Fernsehen – an etwas Erfreuliches erinnern, nämlich daran, dass unser Gesundheitssystem trotz aller schwarzblauen Anschläge immer noch erstaunlich gut funktioniert.
Das vorliegende Gedicht ist aber auch als Hommagerl an Helmut Qualtinger gedacht, dessen Herr Karl beim Hören des Folgetonsignals der Rettung tiefe Befriedigung verspürt: „Koarl, du bist’s net!“ Der Protagonist meines Gedichts – ich nenne ihn ebenfalls „Herr Karl“ – empfindet ebendiese Art der Genugtuung, weil vergangene Nacht der Bettnachbar zu seiner Linken in die Pathologie verlegt worden ist, während ihm wohl seine vergleichsweise harmlose Erkrankung keinen Aufenthalt dort bescheren wird. Wenn es nach dem Willen einer gnädigen höheren Macht aber auch noch den furzenden und jammernden Bettnachbarn zur Rechten erwischen sollte, könnte der Raum, in dem Herr Karl untergebracht ist, zumindest vorübergehend zu einem Einzelzimmer werden, obwohl er über keine Zusatzversicherung verfügt!
Ich wünsche mir, dass Herr Karl heute zu Hause bleibt.
- Ein Murmeltier-Wahlsonntag ist ein Wahltermin, an dem sich schon wieder ein paar Wähler zuviel für die Wolferln, Karl-Heinze, Bastis und Bumstis entscheiden.
Bussi, Thomas ↩︎
Hinterlasse einen Kommentar