Der Autor liest:
Huach zua, du bist mei Nemesis!
Hör mal, du bist meine Nemesis!
So wia zu Wien dé Themesis
So wie zu Wien die Themse
und unsa Donau nôch Paris
und unsere Donau nach Paris
oda zum Hauns sei neix Gebiss
oder zu Hans sein neues Gebiss
passt du zu mia – i sôg s wia s iis.
pass du zu mir – ich sag’s wie’s ist.

Ich habe den Eindruck, dass in dem relativ kleinen gesellschaftlichen Sektor, in dem der vollständige Mehrwortsatz noch regelmäßig artikuliert wird, allerlei Begriffe aus der griechisch-römischen Tradition gerade eine Renaissance erfahren, die allerdings einen Wandel (na, sagen wir ruhig: eine Verflachung) des jeweiligen Begriffsinhalts mit sich bringt. In meinem Gedicht spricht denn auch eine Art wienerischer Narziss, der wohl ahnt, welche Probleme ihm Nemesis, die griechische Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit, machen wird,1 weshalb er sie eben nur als Unheilsbringerin sehen kann. In ähnlicher Weise reduziert sich etwa die Haptik – eine weitere hippe Vokabel mit griechischen Wurzeln – im Bewusstsein des wahren Bücherfreundes auf lustvolles Umblättern echter, süßlich-holzig riechender papierener Buchseiten. Inzwischen ist aber die Hybris (welcher übrigens die Nemesis ebenfalls gerne eins aufs Dach gibt) sogar weitgehend unbeschädigt bis in den bescheidenen Wortschatz der Kronenzeitung vorgedrungen, um der Blattlinie entsprechend das Tun von Politikern zu etikettieren.
- Denn laut Ovid ist sie es, die dafür sorgt, dass Narziss sich in sein Spiegelbild verliebt, was letztlich seinen Tod bedeutet. ↩︎
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