
Ich lasse mich gerne vom Österreichischen Wörterbuch inspirieren, indem ich es an einer beliebigen Stelle aufschlage, damit mich von dort vielleicht ein interessantes Wort anspringt.
Hier ist schon eines – „Kondom“. Daraus lässt sich durchaus etwas machen:
„In welchem Dom werden praktisch nie Messen gelesen?“
– Ja, genau.
Manch ein Verb wird erst durch eine Vorsilbe zum möglichen Kern eines literarischen Kleinods. Bloßes „Fahren“ zum Beispiel ist langweilig, aber die vorangesetzten Silben „ver“, „ent“ und besonders „um“ verleihen monotonem Fahren eine gewisse Dramatik:
„Die falsche Betonung welcher deutschen Verben kann fatale Folgen haben?“
Die gesuchten Wörter sind natürlich „umfahren“ und „umschiffen“. (Für Menschen, welche die deutsche Sprache nördlich des Knödellimes erlernen mussten, sei angemerkt, dass „schiffen“ bei uns und bei den Bayern auch „urinieren“ bedeuten kann.)
Während ich also wieder einmal im Österreichischen Wörterbuch schmökere, stoße ich auf ein sehr interessantes Um-Wort und verstoße durch die Wiedergabe des Textes dazu möglicherweise gleich auch gegen irgendein Gesetz, denn auf der Impressumsseite des Nachschlagewerks ist zu lesen, dass „Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten“ ist.
Und hier nun der Eintrag:
„Umvolkung die, -/-en: Veränderung der Bevölkerung zB durch Sprach- und Kulturwechsel, Zuwanderung oder Vertreibung und Mord (ua. in der Zeit des Nationalsozialismus)“
Dazu muss man nichts weiter sagen, außer vielleicht:
„Herausgegeben
im Auftrag des
Bundesministeriums für
Unterricht, Kunst und Kultur“
PS
Da ich aber sicher bin, dass viele Menschen an dem Text zum Stichwort „Umvolkung“ gar nichts auszusetzen fänden, und da sich unter ihnen offenbar auch Autoren und Redakteure des Österreichischen Wörterbuchs befinden, schiebe ich noch ein paar Worte hinterher:
Im ÖWB wird der alte Nazibegriff „Umvolkung“ nicht als ein solcher präsentiert, sondern als ganz normale Vokabel zwischen „Umverteilung“ und „umwachsen“, wo sie mit der gleichen Selbstverständlichkeit für „Veränderung der Bevölkerung“ steht wie anderswo „Nudelsalat“ für „eine Speise“. Und mehr noch: Der Begriff „Umvolkung“ kann nun sogar „kritisch“ zur Bezeichnung von Naziverbrechen eingesetzt werden!
Mich erinnert all das an einen anderen kleinen Geniestreich sprachlicher Natur, der sich bis vor einer Weile noch in einem HTL-Lehrplan manifestierte: Zu den im Geschichtsunterricht zu behandelnden Themen zählte auch „der österreichische Mittäterschaftsvorwurf“.

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