Die Mehrzahl der literarischen Kleinodien, die diese Sammlung enthält, ist wienerisch gefärbt. Wer damit leben muss, dass er, sie et cetera außerhalb Wiens oder gar nördlich des leberkasischen Wendekreises sozialisiert worden ist, dennoch aber die volle Tiefe der hier dargebotenen Inhalte erfassen möchte, sollte sich mit den im Folgenden beschriebenen linguistischen Fakten beschäftigen.
Das Wienerische ist – im Gegensatz zum Norddeutschen – eine agglutinierende Sprache, das heißt: Ganze Sätze bestehen oft aus nur einem einzigen Wort. Selbst die größten Gemeinheiten werden in diesem Idiom zu einer melancholischen, sich ins Ohr schmeichelnden Melodie, wozu wohl auch der Umstand beiträgt, dass in unserer Aussprache praktisch alle sogenannten “harten“ Konsonanten zu „weichen“ werden, sodass wir beim Buchstabieren „weiches Bé“ und „hartes Pé“ sagen müssen oder „weiches Dé“ und „hartes Té“, um Missverständnisse zu vermeiden. Das allein schon dürfte uns in den Augen des deutschen Mannes (und wohl auch der deutschen Frau) zu ulkjen Kunden11 machen.
Das Kommando „Habt Acht!“22 degeneriert in unserer Aussprache zu: „Habdacht“. Das Norddeutsche aber liebt den Stimm¦absatz und das Militärisch-¦Abgehackte, wie es von unvergesslichen Komödianten wie Heinz Reinke, Hubert von Meyerinck oder Wilhelm II. zum Ausdruck gebracht worden ist:
Mitten ¦im Frieden ¦überfällt ¦uns der Feind!
Im Wienerischen würde dieser Satz zu dem als Beschwerde geraunzten Monsterwort
Héastmitninfriedniwafôjdunsdafeind?!
dem ein Ausdruck ungläubigen Staunens folgt:
Wogibtsnsowôs?
Wo gibt es denn so etwas?“
Das in diesen Beispielsätzen verwendete Zeichen „ô“ steht einfach für offenes „o“; für das offene „ö“ verwende ich das Symbol „ő“. Im folgenden Ausdruck der Bewunderung, der einem Schmuck- oder Kleidungsstück gelten könnte, finden Sie alle offenen und geschlossenen „o“- und „ö“‑Laute:
Jöö, dés is ôwa liiab! Waunn i a Gőd häd, däd i ma aa so ans kaufm!
Ach, das ist ja hübsch! Wenn ich Geld hätte, würd‘ ich mir auch so eins kaufen!
Das „ô“ tritt im Wienerischen häufig an die Stelle des schriftsprachlichen „a“:
Hôst ma ra Wôssa brôcht?
Hast du mir Wasser gebracht?
Das verdrängte „a“ taucht dann da und dort im Hardcore-Wienerischen wieder unvermutet auf, häufig (aber eben nicht nur) anstelle von „er“-Endungen:
Wôs hôt n da Masta gsôgt?
Was hat der Meister denn gesagt?
Dass d unsa Bésta bist!
Dass du unser Bester bist!
Und hier nun eine kleine Herausforderung für Rätselfreunde: Bilden Sie einen Satz mit „btsns“!
Und die Lösung?
Ich wusste, dass Sie draufkommen werden! Die Lösung ist natürlich
Wogibtsnsowôs?
Mit einem Schwalaut3 unterlegt, wird die sperrige Konsonantenansammlung „btsns“ zu einer musikalischen Tonfolge!
Und noch eine gute Nachricht: Von jetzt an lösen wir – der besseren Lesbarkeit wegen – die agglutinierten Monsterwörter immer in ihre Bestandteile auf! Aber lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Stimmabsätze anstelle von Leerzeichen zu lesen, oder in Wörter hineinzulesen. Der Satz
I iß aum Ômd aa imma a Ei
lässt sich wohl mit den Worten
¦Ich ¦esse ¦auch ¦all¦abendlich ¦ein ¦Ei
in stimmabsatzreiches Transschweinsbratisch übersetzen, sollte aber unbedingt in einem eleganten Schwung gelesen werden:
Iißaumômdaaimmaaei.
Da wir grade vom Ei sprechen, bietet sich die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass die Diphthonge der deutschen Schriftsprache in wienerischer Artikulation zu Monophthongen werden.
Andere österreichische Dialekte wie das Steirische oder das Burgenländische lieben den Diphthong: Mit Rührung erinnere ich mich des Ausrufs „Woauntsajnn, Woauntsajnn!“,4 mit dem Ausbilder Habitzl beim Militär weiland seiner Missbilligung unzureichenden Schuhputzes oder offenstehender Uniformknöpfe Ausdruck zu verleihen pflegte…
Aber im Wienerischen mutiert ein „Ei“ zum „Ä“, das „Rührei“ zur „Äaschbäs“ und „dein neues Auto“ zu „dä nőes Ôto“. Im letzten Beispiel schwingt unüberhörbar ein wenig Ironie mit, weil der Sprecher sich für das hochdeutsche „neu“ und gegen das umgangssprachliche „näch“ („neich“) entschieden hat. Das „neue Auto“ ist wohl nur eine neuerworbene alte Karre mit 250.000 Kilometern auf dem Tacho. Andernfalls hätte der Sager eher „dä näx Ôto“ gelautet.
Die Wiener Umgangssprache überrascht ihrerseits mit Diphthongen, wo im Hochdeutschen keine sind. Hier muss das Verb „kräun“ erwähnt werden, das „kriechen“ oder „klettern“ bedeutet, wobei das „äu“ sich aber auch eher wie „ő“ anhört. Eine Verabschiedungsformel, in der das goldene Wienerherz das bisher zum Thema Zwielaute Gesagte zusmmenfasst, könnte folgendermaßen lauten:
Krő äne in dä nőes Ôto und hô di iwa d Häsa!
Kriech in dein neues Auto und hau ab (hau dich über die Häuser)!
Keine Sorge, in den folgenden Texten verzichte ich zugunsten besserer Lesbarkeit auf diese Art der Transkription!
Ein weiteres schönes Beispiel für Diphthonge, die dem Wienerischen eignen, aber geschriebenem Deutsch fremd sind, ist das Wörtchen „Ôida“ („Ôjda“) – „Alter“, das sich im Mund von Jungschnöseln auch zu „Aida“ („Ajda“) wandeln kann.
Der auf „Aida“ geschönte „Oide“ wiederum erinnert mich an meinen Onkel Herbert, der schon als kleiner Stöpsel ein bisserl einen Hang zum Gehobeneren und Feineren hatte und dem Wort „Watta“ (Watte), das ihm von seinen Eltern einmal mit auf den Weg zur Apotheke gegeben worden war, noch schnell ein Lifting verpasste, wonach er „Weitte“ vom Apotheker haben wollte, weil „Watta“ in seinen Ohren nach allzu tiefem Dialekt klang.
Es liegt im Wesen der Umgangssprache, dass sie dem Fluss der Rede Laute und Silben opfert, dass sie verkürzt und zusammenzieht. Häufig ist es das Wörtchen „denn“, von dem oft im Schriftbild nur „dn“ oder gar nur „n“ übrigbleibt, weil man den im Hintergrund summenden Schwa nicht leicht sichtbar machen kann:
Wôs soll i dn tuan?
Was soll ich denn tun?
oder
Wôs wü(ll)st n?
Was willst du denn?
Und hier vielleicht noch eine kleine Übung zur Deutung stark kontrahierter Ausdrücke: Bilden Sie einen Satz mit „snsn“.
Und?
Na klar, die Lösung lautet:
Ḷôssn S n drin!
Lassen Sie ihn drinnen!
(Den Weißwein im Kühlschrank oder was immer.)
Zurück zu dem Monsterwortsatz
Héastmitninfriedniwafôjdunsdafeind?!
Er enthält auch das Spezialzeichen „é“, welches (in meinen Texten) das geschlossene „e“ bezeichnet, wie es in den Wörtern „selig“, „Mehl“ oder „Tee“ gebraucht wird, während „e“ (ohne Akzent) in meiner wienerisch gefärbten Poesie für offenes „e“ oder Schwa steht. Da ich die deutsche Orthografie beibehalte, wo immer es möglich ist, erscheint „e“ natürlich auch in Diphthongen und als Dehnungs-„e“. Immer wenn die Regeln der Rechtschreibung es erfordern, steht für offenes „e“ der Buchstabe „ä“. Gelegentlich setze ich dieses Zeichen aber auch willkürlich. So zum Beispiel in „Kaffää“, um damit das Heißgetränk, das einem Frau Grete in ihrem Tschocherl „Hallo“ hinstellt, von dem „Kafféé“ zu unterscheiden, der im Dommayer in Hietzing auf einem silberglänzenden Tablett mit einem Glas Wasser und Klavierbegleitung gereicht wird. Der folgende Beispielsatz enthält alle „é“‑, „e“- und „ä“‑Fälle sowie einige weitere Besonderheiten (die weiter unten erklärt werden):
Dés derf jô net wôah(r) sei(n): Jétz muaß i wéngan Kaffää scho wieder auf s Heisḷ! Héast, dés is ḷästig!
Das darf ja nicht wahr sein: Jetzt muss ich wegen des Kaffees schon wieder auf die Toilette! Das ist aber lästig!
Der Ausdruck „wéngan Kaffää“ bedeutet wohlgemerkt nicht „wegen eines Kaffees“! Das zweite „n“ in „wéngan“ ist nämlich der Rest des Artikels „den“, der oft auch die Agenden von „dem“ übernimmt. Das „a“ ist bloß ein Stützvokal. „Wéng den Kaffää“, „Wéng dem Kaffää“ und „Wéngan Kaffää“ sind alles zulässige Varianten. Die dritte wird vielleicht ein bisserl bevorzugt. Wem es sehr wichtig ist, dass man ihn, sie et cetera nicht etwa verdächtigt, den dritten und vierten Fall nicht unterscheiden zu können, wird sich wohl für Nummer zwei entscheiden. Und dem Genitiv seine Aufgaben [sic!] werden im Wienerischen sowieso vom Dativ übernommen.
Der Begriff „Wienerisch“ bezeichnet eigentlich eine ganze Familie von Dialekten, die von den diversen sozialen Klassen gesprochen werden, welche sich natürlich in unterschiedlichen Bezirken konzentrieren, weshalb man das Vorstadt-„l“, in nobleren Stadtteilen wie Schönbrunn tunlichst vermeiden würde, ein Laut, der dem dunklen slawischen „l“ sehr ähnlich ist und den ich in diesem Œuvre mit dem Sonderzeichen „ḷ“ kenntlich mache, welches sich schon weiter oben in den Worten „Heisḷ“ und „ḷästig“ findet. „Heisḷ“ würde man in Schönbrunn ohnehin nicht sagen, auch nicht „Häusl“, wenn damit der Ort gemeint ist „wo der Kaiser z Fuß hingeht, net wôah(r)“.
Unterschiedliche Bezirke, in denen unterschiedliche soziale Klassen dominieren, stellen auch völlig verschiedene Zeitzonen dar; und einem politischen Hitzkopf, der sich in Hietzing gegen das Zensus- und Kurienwahlrecht und für das allgemeine Wahlrecht starkmacht, sagt man vielleicht:
Mir scheint, Sie sin(d) a bisserl a Libertiner, net wôah(r)!
Wenn Sie diesen Satz nachsprechen wollen, sollten Sie bei der Artikulation des Wortes „Libertiner“ um jeden Preis die Mundwinkel oben halten. Wenn Sie gleichzeitig eine steile Falte zwischen den Augenbrauen hinbekommen, so ist Ihnen damit sogar ein höheres ÖVP-Funktionärsgattinnenlächeln gelungen, aber darum geht es hier natürlich nicht. Wichtig ist nur, dass es Ihnen bei der Aussprache des Zungenspitzen-„l“s nicht etwa einen Mundwinkel herunterzieht wie nach einem Schlaganfall, denn genau damit würde daraus das gefürchtete Vorstadt- oder Meidḷinger „ḷ“, das natürlich aber auch in anderen weniger noblichten Bezirken wie Ottakring, Favoriten oder Floridsdorf fleißig artikuliert wird. Der Name des Bezirks Meidḷing wird nur deshalb häufig zur Bezeichnung des Vorstadt-„ḷ“s herangezogen, weil er es selbst enthält.
Das Wienerische kennt noch zwei andere Laute, für die in der Schriftsprache einfach nur „l“ steht. Einer davon wird mit eingerollter und am Gaumen anliegender Zunge gebildet:
Schteierzôhler – Steuerzahler, Kunstmôler – Kunstmaler, ideal, katastrophal, original, dés ḷétzte A(b)mdmahl – das letzte Abendmahl.
Und mit den Worten
Scheng ma ra Pallmall!
Schenk mir eine Pall Mall!
bat in einem Stück, dessen Titel ich vergessen habe, Elfriede Ott5 weiland als Dame zweifelhaften Rufs Ernst Waldbrunn6 um eine Zigarette.
Ich habe mich entschlossen, das Schenkungsansuchen der Dame auf „scheng ma“ (mit „g“) zu erweichen und nicht an der schriftsprachlichen Orthographie festzuhalten, weil die Dame ihre Zugehörigkeit zur Halbwelt durch die mehrfache Wiederholung des Worts „zau-bär-haft“ nur unvollkommen kaschieren konnte, und es sich somit empfahl, solcherart etwas Bildungsferne zu signalisieren.
Das „r“ in „Scheng ma ra Pallmall!“ braucht Sie nicht zu beunruhigen. Es mildert einfach nur den Zusammenprall der beiden „a“s. Das „r“ als Stützkonsonant wird uns in ähnlich gelagerten Fällen noch öfter begegnen, so etwa im Dialog eines Vaters mit seiner halbwüchsigen Tochter:
Du richst di héa(r) wia ra Giatḷhua(r)!
Du machst dich zurecht (‚richtest dich her‘) wie eine Gürtel7-Hure!“
Nau wü(ll)st villeicht, dass i mi au(n)ziag wia ra KƖostaschwésta?
Willst du etwa, dass ich mich kleide wie eine Nonne?
Interessanterweise ist das Stütz-„r“ so beliebt, dass es mitunter auch dort gerne eingesetzt wird, wo es eigentlich gar nicht nötig ist. So gibt es zum Beispiel zu den Begriffen „durcheinander“ und „umeinander“ folgende Varianten (von „nasal“ bis „deftig“):
durchanander, duachanaunda und duacharanaunda,
umanander, umanaunda und umaranaunda.
Ein besonders begeisterter Anhänger des Stütz‑„r“s war der Entertainer Heinz Conrads,8 der – ob es nun passte oder nicht – reichlichen Gebrauch davon zu machen pflegte, was sich zum Beispiel sehr schön in seiner Interpretation eines bekannten Nestroy-Couplets äußert:
Es is ôllaaas Schimäääre, ôwa rra mich untarrhojts!
Es ist alles Chimäre, aber mich unterhalt’s!
Und in dem Lied vom Schneeflockerl und dem Ruaßflankerl, in dem es um die korrumpierende Kraft des Bösen geht, singt er:
Ôwa s Ruaßflankerl hôt dés Schnääflockerl doch erwischt,
und es haum si daunn Schwoaz und Weiß mitaranaundar gmischt.Aber das Rußteilchen hat das Schneeflöckchen doch erwischt, und es haben sich dann Schwarz und Weiß miteinander gemischt.
Am Wortende wird das „r“ häufig unhörbar; an seine Stelle tritt dann Schwa oder „a“. Aber auch vom „l“ ist (nach „e“ oder „i“) öfters nur zu hören, welche Veränderungen es in dem verbliebenen Rest verursacht hat:
Held – Hőd, Welt – Wőd, Feld – Főd, Geld – Gőd, schmelzen – schmőzn, wälzen – wőzn, Pfeil – Pfäu, Keil – Käu, Teil – Täu, weil – wäu, was willst du?“ – Wôs wüst?“, viel – vü, Nilpferd – Nüpferd, Krokodil – Krokodü [Grogodü], Spielhöschen – Schpühoserḷ.
Nach „o“ oder „a“ wird der Konsonant „l“ gerne zu „j“:
Tal – Tôj, voll – vojj, Qual – Quôj, ich zahle – i zôj, was soll denn das? – wôs sojj dn dés?.
Doch nach dem Zungenspitzen-„l“, das nicht selten auch als Vorstadt-„ḷ“ in Erscheinung tritt, und nach dem Maler- oder (Wiener) Pallmall-„l“ wenden wir uns nun einem weiteren Laut des Wienerischen zu, den die Schriftsprache ebenfalls mit dem Buchstaben „l“ bezeichnet. Es handelt sich um das „l“ nach den Plosiven „g“ und „k“. In Norddeutschland ist das einfach das Zungenspitzen‑„l“. Die Menschen dort oben kennen die Probleme gar nicht, die schon der bloße Versuch mit sich bringt, die Bildung dieses Lautes zu erklären.
Ich sag’s einmal so: In der ersten Gymnasialklasse bin ich neben dem dicken Poldi Fasching gesessen, der mir mit den dümmlichen Geräuschen auf die Nerven gegangen ist, mit denen er sein Grinsen begleitet hat. Der ist in der zweiten oder dritten Klasse sitzengeblieben und später halt Rechtsanwalt geworden, aber das Geräusch, in dem sich Poldi Faschings Amüsiertheit weiland manifestiert hat, hilft mir jetzt ein wenig, die Eigenheiten des auf „g“ oder „k“ folgenden Wiener „l“-Lautes zu erklären:
Verziehen Sie den Mund zu einem sehr breiten Grinsen und sagen Sie „g“. Lassen Sie dabei das Vibrieren der Stimmbänder zu und halten Sie es einige Sekunden.
Das war recht gut!
Wiederholen Sie jetzt die Übung, wobei Sie aber bitte darauf achten, dass die Zunge beim „g“-Sagen satt am Gaumen anliegt und die Luft nur seitlich entweichen kann, so als ob Sie einen Shcpjachfehjer hätten. Währenddessen vibrieren wieder die Stimmbänder, und die Wangen vibrieren möglichst gleich mit. Wenn Sie das einigermaßen hinbekommen haben, werden Sie wahrscheinlich verstehen, warum mich Poldis Geräusche genervt haben, aber das ist Nebensache.
Da Sie sich nun die dafür nötigen Fertigkeiten angeeignet haben, können wir zur Artikulation unseres speziellen „l“-Lautes schreiten: Erzeugen Sie ein sehr kurzes Poldi-Grinsgeräusch, leiten Sie es ganz locker in den Vokal „a“ über und lassen Sie diesem ein „s“ folgen.
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben soeben „GƖas“ gesagt und dabei ein Wangen-„l“ gebildet! Sie müssen sich keine Sorgen machen, wenn das jetzt ausgesprochen schwachsinnig geklungen hat! Wenn Sie das Wort „Glas“ auf diese Weise zwei-, dreihundertmal gesagt haben, sind die überflüssigen Grimassen und Nebengeräusche weg.
Die eben erlernte Artikulationstechnik wird Ihnen auch außerhalb Wiens und sogar in Bayern weiterhelfen, aber in Bezug auf das Wienerische wäre noch anzumerken, dass Sprecher desselben dazu neigen – ähnlich wie bei der Aussprache des Vorstadt-„ḷ“s – auch bei der des postplosiven Wangen-„l“s einen Mundwinkel verächtlich herabzuziehen und den Luftstrom nur auf ebendieser Seite des Mundes zuzulassen.
Ich denke, Sie sind nun ausreichend auf die Lektüre der auf gschichtl.blog dargebotenen Texte vorbereitet.