Valentineske

Der Autor liest:

Der Gu-hu-guck1, der Gu-hu-guck,
der fliagt zerst furt und kummt daunn zruck,

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck,
der pfeift aufs Flíang und fahrt mim Zug.

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck
steht auf den quergestreiften Look,

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck
wünscht einen Gamsbart sich als Schmuck,

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck
kann quaken auch wie Donald Duck,

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck
nimmt einen Vogelbeerschnapsschluck,

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck,
der redet nacher nur Hum-bug,

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck
schließt mit: „Ich hab gesprochen, hugh!“2

Der Gu-hu-guck, der Gu-hu-guck
hôt vom Gu-gucken jetzt genug,
vidirallalla, vidirallalla, vidirallallalaa.


In meiner kleinen Hommage an (den Münchner Volkssänger, Komiker, Dadaisten3 …) Karl Valentin4 mache ich reichlichen Gebrauch vom Stilmittel der Monotonie, dessen auch er sich gerne bediente. Immerhin aber wechseln in seiner Parodie auf die „Vogelhochzeit“ unter dem Titel „Maskenball der Tiere“ die Spezies einander von Strophe zu Strophe ab. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es vierundzwanzig. Es hätte mich gereizt, der Schne-e-pfe, der Schne-e-pfe ein Paar geflochtne Zä-ä-pfe anzudichten. Ich hatte aber vor, beim Kuckuck zu bleiben und vierundzwanzig auf „ug“ oder „uck“ endende Wörter für Reime auf Gu-hu-guck zu verwenden.

Nachdem weniger manchmal mehr, und mehr Monotonie vielleicht zu viel ist, habe ich mich auf neun Strophen beschränkt. Wenn Ihre persönliche Schmerzgrenze aber auch damit schon überschritten sein sollte, kann ich Ihnen einen Haiku als Alternative anbieten:

Fort fliegt der Kuckuck.
Wenn vom Fliegen hat er gnug,
kummt er wieder zruck.


  1. Wienerisch erweichter Kuckuck. ↩︎
  2. „Hugh“ kommt in manchen Indianersprachen Nordamerikas als bekräftigender Ausruf oder Gruß vor. In unseren Breiten kennt man das Wörtchen vor allem aus den von Karl May verfassten Wildwest-Romanen. Man müsste es eigentlich als „haau“ aussprechen, aber als kindliche Karl May-Leser wussten wir das natürlich nicht, und auch Hermann Leopoldi reimt in einem seiner Lieder: „Um hôjba őfe geht da Zug, ich hab gesprochen hugh!“. ↩︎
  3. Eine Ausstellung zu Valentins hundertstem Geburtstag im Münchner Stadtmuseum trug den Titel „Karl Valentin – Volkssänger? Dadaist?“ ↩︎
  4. Valentin Ludwig Fey, 1882–1947. ↩︎

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