Sehnsuchtsort

Der Autor liest:

A gaunz beschtimmtes Laund muass s sei,
Es muss ein ganz bestimmtes Land sein,
da Nauman fôjjt ma nua net ei …,
mir fällt nur der Name nicht ein …,
iangdwôs auf „ei“ wia „Slowakei“,
irgendetwas auf „ei“ wie „Slowakei“,
„Türkei“, „Hawei“ und „Mongolei“.
„Türkei“, „Hawaii“ und „Mongolei“.

Nur san dé net, nôch wôs i suach.
Nur sind diese (Länder) nicht, wonach ich suche.
Daunn hôb i glaubt, s is dé „Transkei“ …
Dann dachte ich, die „Transkei“ sei es …
Nau, duat wôa s aundas wia im Buach!
Na, dort war es (aber ganz) anders als im Buch!
(Vawexlt hôb i s mit Brunei!)
(Ich hatte sie [die Transkei] mit Brunei verwechselt!)

Nau guat, schaustas hôjt au(n) amôj,
Na gut, siehst du dir’s eben einmal an,
hôb i ma denkt – dés wôa net gscheit!
dachte ich – (doch) das war nicht klug!
Und teia wôa s, wäul i no zôj
Und teuer war’s, denn ich zahle (immer) noch
aun an Kredit dafia bis heit!
an einem Kredit dafür!

Von wôs i bis zum Éaschtn léb,
Wovon ich bis zum Ersten (des folgenden Monats) leben soll,
frôg i mi scho, waunn Zwöfta is …
frage ich mich bereits am Zwölften (des laufenden Monats) …
I waß net, ob i dés dahéb.
Ich weiß nicht, ob ich damit zurechtkommen werde.
Sixt eh, mir geht s zur Zeit recht mies.
Du siehst, mir geht es zur Zeit recht mies.

Und auszôjd haum si d Ausgôm net,
Außerdem haben sich die Ausgaben nicht gelohnt,
wäu m Fernsehn sixt dés ôllas aa.
denn im Fernsehen siehst du all das (eben) auch.
Sauhaß wôa s, dass da ôjs vageht,
Schrecklich heiß war es, sodass einem die Lust an allem verging,
und daunn déa Frôß, héast, sôg i da:
und dann noch dieser Fraß:

Aum Heisl hôb i oft net gwusst,
Auf der Toilette wusste ich oft nicht,
ob zéascht min Mäu oda n Popó…
ob ich zuerst oral oder anal (aussscheiden sollte).
Jô, weicht hôjt die Lust dem Frust.
Unter solchen Umständen weicht die Lust eben dem Frust.
Wia ri daham wôa, wôa ri froh.
Als ich wieder zu Hause war, war ich (heil)froh.

So schnőő fôa ri da nimma fuat,
So schnell verreise ich nicht mehr,
i hôb jô a ka Gőőd dafia.
es mangelt mir ja auch an Mitteln dafür.
Mei Mông is imma no net guat,
Mein Magen ist immer noch nicht in Ordnung,
und ôôgnuma hôb i ôjs wia.
und ich habe viel Gewicht verloren.

Und doch gibt s auf da Wőd an Ôat,
Und doch gibt es einen Ort auf der Welt,
der wôs an Nauman hôt auf „ei“,
der einen Namen trägt, der auf „ei“ endet,
von dem i ma sehr vü éawôat.
von dem ich mir sehr viel erwarte.
Und genau duat mächt i gern sei.
Und genau dort möchte ich gerne sein.

Duat déngn so wia i dé Leit,
Dort denken die Leute so wie ich,
i glaub, duat môcht dés Lém a Freid.
ich denke, dort macht das Leben Freude.
Jéssas! – Héast, mia fôjjt s grôd wieda ei:
Herrje! – Mir fällt’s grad wieder ein:
Mei Séhnsuchtsôat haßt „Sudarei“!
Mein Sehnsuchtsort heißt „Sudarei“!


Unsere Lust am Sudern, unsere Vorliebe für defaitistische Haltungen, das Unterlaufen jeglicher Reformmaßnahmen durch Blödstellen, der zur Staatsraison erhobene Opportunismus…, all das macht uns in den Augen jener Miterdlinge, die von unserer Existenz hinter den sieben Bergen wissen und hinter die kitschige Sound of Music-Kulisse blicken, ungefähr so sympathisch wie die Schweiz.

Sie sehen, ich widme mich gerade wieder dem liebsten Hobby der Österreicher, dem Sudern. Und wissen Sie was? Die Schuld daran, dass wir so geworden sind, tragen die Deutschen: Unsere schönen Siege von Custoza und Lissa habe sie uns bei Königgrätz mit ihrem Zündnadelgewehr ja unbedingt kaputtmachen müssen; und dass wir in der zwölften Isonzoschlacht bei Caporetto die italienischen Linien endlich siegreich durchbrochen haben, war für die Gesamtabrechnung bedeutungslos, weil unsere deutschen Waffenbrüder den Weltkrieg als solchen verpatzt haben. Trotzdem sind wir ein bisserl später noch einmal auf die Deutschen und ihren Führer hereingefallen; was dabei herausgekommen ist, können ein paar Leute mit Matura sogar heute noch sagen…

So taumeln wir also schon eine ganze Weile von Niederlage zu Niederlage und Enttäuschung (und immer sind die Deutschen in der Näh‘). Wer will es uns also verdenken, dass uns das Sudern zur zweiten Natur geworden ist?


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